Wortlaut der Freitagspredigt vom 14.04.2017 (Bruder Adnan Nakdali)

Gepriesen sei Allah der Erhabene, und Allahs Segen und Frieden seien auf Seinen Propheten Muhammad.

 

Verehrte Brüder und Schwestern,

der Hadith- Gelehrte Muslim überliefert in seinem Werk folgenden Hadith:

Sufyan ibn ´Abdullah (r) berichtet: „Ich sagte zum Gesandten Allahs (sAws):

O Gesandter Allahs, gib mir einen Rat im Islam, nach dem ich niemanden außer Dir fragen kann!

Der Prophet antwortete:

((Sprich: Ich glaube an Allah. Und sei dann rechtschaffend.))

 

Eine wichtige Frage, bei der man in der Regel eine lange Antwort erwartet. Doch der Gesandte Allahs (sAws) beließ bei dieser kurzen knappen und dennoch vollständigen Antwort.

Lerne Allah kennen und glaube an Ihn.

Derjenige, der Allah kennt, ist auch der, der rechtschaffend sein kann und dem geraden Weg folgen kann.

 

Denn der Glaube an Allah ist der Grundpfeiler der gesamten Religion und der Grund unserer Existenz auf dieser Welt. ((Ich habe die Djinn und die Menschen nur dazu erschaffen, damit sie mir Dienen.)) (Adh-Dhariyat 51:56)

Daher sind wir verpflichtet Allah kennenzulernen, um rechtschaffend zu sein.

 

Hier stellt sich nun die Frage ob wir Allah wirklich kennen und wissen wer Er ist? Viele von uns würden stottern, würde man von ihnen verlangen 3 Minuten lang über Allah zu sprechen oder einen kurzen Aufsatz über Ihn zu schreiben.

 

Lerne Allah kennen…

Lerne Ihn in Seinem Buch kennen…

Lerne Ihn kennen in den Lehren seines Propheten (sAws)…

Lerne Ihn kennen in den Worten und Handlungen der Gelehrten…

 

Lerne Ihn kennen indem du Seine Erschaffungen betrachtest… Indem du deinen Körper betrachtest…

Lerne Allah kennen… Und wenn du Ihn kennst, dann sag: „Ich glaube an Allah…“ und sei rechtschaffend.

Auf diesen Glauben baut sich die Rechtschaffenheit auf.

 

Die Rechtschaffenheit ist das Festhalten an den Grundlagen der Religion. Das Zeugnis der Einheit Allahs und das Ablehnen der Vielgötterei.

 

Rechtschaffenheit ist die Befolgung des Vorbilds des Propheten (sAws) und das Ablehnen der Erneuerungen und der Gelüste.

Die Rechtschaffenheit ist der mittlere Weg zwischen dem Übertreiben und dem Untertreiben in der Religion.

In unserer Zeit erleben wir ein Aufstreben dieser beiden Strömungen. Auf der einen Seite die „Untertreiber“ die den Vorwand der Freiheit und Modernität benutzen um die Religion fast komplett zu hinterfragen und auch vor den Grundlagen der Religion keinen Halt machen.

Auf der anderen Seite die Übertreiber, die jedem, der nicht ihrem Irrweg folgt, den Krieg erklären und keinen Halt vor dem Töten der Unschuldigen machen.

Beide diese Gruppen sind eine Gefahr für den Islam, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.

Der erste Schutz ist die Befolgung der Rechtleitung unseres Propheten und das richtige Verständnis seiner Lehren.

 

Die Antwort des Propheten auf die Frage des Gefährten gleicht zwei Versen aus dem Koran, in denen Allah sagt:

((Gewiß, diejenigen, die sagen: „Unser Herr ist Allah“, und sich hierauf recht verhalten, auf sie kommen die Engel herab: „Fürchtet euch nicht, seid nicht traurig, und vernehmt die frohe Botschaft vom (Paradies)garten‘, der euch stets versprochen wurde…)) (Fussilat 41:30)

 

Und Er sagt:

((Gewiß, diejenigen, die sagen: „Unser Herr ist Allah“ und sich hierauf recht verhalten, über sie soll keine Furcht kommen, noch sollen sie traurig sein. (13) Das sind die Insassen des (Paradies)gartens, ewig darin zu bleiben als Lohn für das, was sie zu tun pflegten.)) (Al- Ahqaf 46: 13-14)

 

Die Wirkung der Rechtschaffenheit ist die vollste Ruhe am jüngsten Gericht und ein ewiges Leben im Paradies.

 

Es gibt wunderschöne Zitate der Gelehrten zu der Rechtschaffenheit:

 

So sagt Abu Bakr: „Die Rechtschaffenheit ist, dass du Allah nichts beigesellst.“

Umar Ibn Alkhattab sagte: „Die Rechtschaffenheit ist, dass du dich an die Gebote und Verbote hältst und nicht wie ein Fuchs taktierst.“

Ibn Al- Qayyim sagte: „Die Rechtschaffenheit ist die Seele, die die Lebensumstände belebt.“

So wie der Körper eine Seele benötigt, die ihn belebt, so benötigen die Lebensumstände und Situationen etwas was sie belebt und das ist die Rechtschaffenheit.

Der Gläubige, der Allahs Befehl: ((So verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde, (…))) (Hud, 11:112)

der befolgt diesem Befehl und wird so rechtschaffend wie es dem Allmächtigen gebührt.

 

Die Bereiche des rechtschaffenen Handelns decken das gesamte Leben des Menschen ab. Die Rechtschaffenheit ist eine Tugend, die man in seiner Persönlichkeit trägt und die stets zum Vorschein kommt:

 

Im Verhältnis zu Allah, indem man Seine Befehle einhält und die Verbote unterlässt.

 

Im Verhältnis zu den Eltern, indem man stets nach ihrer Zufriedenheit strebt, selbst in den schwierigsten Situationen. Allah sagt:

((Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen, daß Du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu Mir wird eure Rückkehr sein, da werde Ich euch kundtun, was ihr zu tun pflegtet.)) (Al- Ankabut: 29: 8)

 

Rechtschaffenheit in meinem Verhältnis zu meiner Frau: Der Gesandte Allahs (sAws) sagte: „Behandelt eure Frauen gut…“ Und er sagte: „Der Gläubige, dessen Glaube am vollständigsten ist, ist der mit dem besten Charakter. Und die besten von euch, sind die besten zu ihren Ehefrauen.“

Wir sehr versäumen wir dies! Viele von uns haben ein falsches Verständnis über dasVerhältnis zum Ehepartner. Dies gilt auch für Frauen. Man kennt nicht die Rechten und Pflichten beider Seiten.

 

In Malaysia gab es vor einiger Zeit ein starkes Ansteigen der Scheidungen. Man suchte nach den Ursachen und fand heraus, dass oftmals von Anfang an nicht genau klar war welche Rechte und welche Pflichten jeder Partner hat.

Daraufhin wurde beschlossen, dass keine Ehe geschlossen werden darf, bis beide Ehepartner einen Ehevorbereitungskurs besuchen und mit den Papieren zusammen auch die Bestätigung der Schulung hinzufügen. Dies hat dazu geführt, dass die Scheidungsrate wieder auf den normalen Stand sank.

 

Rechtschaffenheit findet auch im Verhältnis zu den Kindern statt. Dass man seine Kinder richtig erzieht und ihnen die Prinzipien eines rechtschaffenen Menschen übermittelt. Dies schafft man nur, wenn man ihnen viel Liebe und Zuneigung entgegenbringt.

Eines Tages küsste der Gesandte Allahs (sAws) sein Enkelkind Alhassan. Bei ihm saß ein Mann, der dann sagte: „Wahrlich, ich habe 10 Kinder, nie habe ich einen von ihnen geküsst!“ Da sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihn: (Wer nicht barmherzig ist, der wird auch nicht Barmherzig behandelt.)

 

Die Eltern- Kind- Beziehung muss auf Liebe und Zuneigung basieren, auf Freundschaft und Brüderlichkeit, ohne dabei den Respekt der Eltern zu vernachlässigen. Besonders wir hier in der Gesellschaft haben es nötig unsere Beziehungen zu unseren Kindern zu festigen.

Die Kinder verbringen den Großteil ihrer Zeit außerhalb des Elternhauses. Viele Väter, oft auch beide Elternteile, gehen arbeiten. Somit bleibt am Ende des Tages nicht viel Zeit für die Eltern. Wenn dann die Beziehung zu den Kindern schwach ist, wird ein Tag kommen an dem man die Bindung zu ihnen verliert und man sie nicht mehr erreichen kann.

Oftmals führt das zu verheerenden Folgen.

 

Kürzlich waren wir in der JVA- Aachen und es wurde uns gesagt, dass ca. 160 der Insassen muslimischen Glaubens seien, die Dunkelziffer sei jedoch viel höher, da viele der Gefangenen am Anfang keine Angaben zu ihrer Religion machen. Das entspricht ca. 30 – 40 % der Gesamtinsassen.

Sicher ist auch einer der Gründe, dass die Eltern in einer schwierigen Phase die Bindung zu ihren Kindern verloren haben.

Daher kümmert euch um eure Kinder und darum, dass ihr immer ein gutes Verhältnis zu pflegt, selbst wenn sie mal den einen oder anderen kleinen oder großen Fehler begehen.

 

Die Rechtschaffenheit findet auch in der Beziehung zwischen den Geschwistern und allgemein der Familienbande statt.

Allah sagt: ((Und dient Allah und gesellt Ihm nichts bei. Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem verwandten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Sohn des Weges und denen, die eure rechte Hand besitzt. Allah liebt nicht, wer eingebildet und prahlerisch ist,)) (An- Nisa 4: 36)

Hier finden wir ebenfalls ein falsches Verständnis. Viele beenden ihre Beziehung zu ihren Verwandten aufgrund von unbedeutenden Streitereien. Andere sehen bei ihren Geschwistern Fehler und Sünden, und lehnen jeglichen Kontakt zu ihnen ab, bis sie von ihren Fehlern absehen. Das, obwohl sie es am ehesten nötig hätten, dass man sie fürsorglich behandelt, um ihnen aus ihrem falschen zu helfen. Dies ist nicht die Methode der Rechtschaffenen und schon gar nicht die des Propheten. Denn er hat seine Beziehungen bis zu seiner Auswanderung weitestgehend gepflegt und nur den gemieden der ihm körperlichen Schaden zugefügt hat wie „Abu Lahab“. Unsere Geschwister und Verwandten die womöglich durch die Verführung dieser Welt auf eine schiefe Bahn gelangt sind, haben das Recht bei uns, dass wir ihnen mit der besten Art und Weise begegnen, mit der Hoffnung, dass Allah ihre Herzen öffnet.

 

Auch das rechtschaffene Handeln gegenüber der Gesellschaft gehört zu den Pflichten, denen wir nachgehen müssen, auch Nichtmuslimen gegenüber. Allah sagt: ((Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Allah liebt die Gerechten.)) (Al- Mumtahina: 8)

 

Unsere Pflicht ist es, den Menschen mit Güte zu begegnen um ihnen zu zeigen, dass unsere Religion den Menschen nur bessert. Nichtmuslime sind eine der wichtigsten Zielgruppe der islamischen Dawah. Diese erreicht man nur mit Güte und Sanftmut. Härte führt hingegen dazu, dass man sich von uns abwendet und eine negative Haltung uns gegenüber entsteht.

Allah sagt über unseren Propheten (sAws): ((Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinandergelaufen.)) (Al-i-Imran: 159)

Dies war seine Methode sowohl mit den Nichtmuslimen wie auch mit den Muslimen. Und so sollten wir unsere Mitmenschen ebenfalls behandeln.

 

Verehrte Geschwister,

Denkt immer daran, dass wir täglich Allah bitten uns auf den geraden Weg zu leiten. In Sure 1 Alfatiha lesen wir: ((Leite uns den geraden weg…)) Dies ist der Weg der Rechtschaffenen. Belasse es nicht nur beim Lesen dieser Ayah sondern handle danach indem du selbst rechtschaffend bist.

Möge Allah uns zu jenen gehören lassen, die das Wort hören und dem Besten darin folgen.