Geschichte

Geschichte, Entwicklung und Selbstverständnis des Islamischen Zentrums Aachen (Bilal-Moschee) e.V.

Anfänge

Dank des herausragenden internationalen Rufes der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) ist Aachen zu einem Anziehungspunkt für viele Studenten unterschiedlichster Nationalitäten und Religionszugehörigkeiten geworden. Unter ihnen findet sich auch ein beträchtlicher Anteil von Muslimen. Vor diesem Hintergrund hatte der Muslimische Studenten Verein an der RWTH (IMSU e.V.) bereits 1958 die ersten Ideen entwickelt zur Gründung eines Islamischen Zentrums in Aachen – für eine würdevolle und angemessene Religionsausübung – und damit die Grundlagen für den Bau der Bilal-Moschee.

Durch die Arbeitsmigration in den 60er Jahren ließen sich zudem viele muslimische Familien in Aachen nieder. Insbesondere die Zechen zur Steinkohleförderung im Aachener Umland waren ein wichtiger Anziehungspunkt für viele sog. „Gastarbeiter“ aus der Türkei und Marokko.

Bau des Islamischen Zentrums

Mit großer Unterstützung durch die RWTH, der Stadt Aachen und die finanzielle Unterstützung durch die Botschaften von 14 islamisch geprägten Staaten konnte 1964 der Grundstein für die Bilal-Moschee gelegt werden. Die Grundsteinlegung erfolgte in Anwesenheit des RWTH-Präsidenten, des Muslimischen Studentenvereins, von Botschaftern und zahlreicher Studenten und Akademiker.

1967 wurde der Bau abgeschlossen und 1979 aufgrund von Platzmangel erweitert. Das Islamische Zentrum Aachen gehört damit zu den ältesten „repräsentativen“ Moscheen – mit einem Minarett und einer Kuppel – in Deutschland.

1978 wurde das Islamische Zentrum Aachen – Bilal-Moschee – e.V. (IZA) beim Amtsgericht Aachen als Verein eingetragen, um der Bilal-Moschee eine angemessene rechtliche Struktur zu geben.

Issam El-Attar – Langjähriger Leiter des IZA

Issam El-Attar (geb. 1927) – weltweit bekannter islamischer Gelehrter und Denker – war von 1978 – 1996 Leiter des IZA.

El-Attar war Oppositionspolitiker im letzten demokratisch gewählten syrischen Parlament (1961) und Führer einer großen islamischen und bürgerlichen Bewegung, welche aus Muslimen und Nichtmuslimen bestand und die sich für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie einsetzte. Aufgrund der Entwicklungen nach einem Militärputsch in Syrien wurde Issam El-Attar im Anschluss an eine Pilgerfahrt 1964 die Wiedereinreise nach Syrien verweigert. Er gab seine Ämter in der islamischen Bewegung auf und widmete sich dem Dienst des Islam und der Muslime in aller Welt und besonders in Deutschland und Aachen.

Auch heute noch setzt sich Issam El-Attar in seinen Reden und Schriften für ein gerechtes, friedliches und respektvolles Zusammenleben zwischen Menschen – unabhängig von Religion und ethnischem Hintergrund – in der Welt ein. Issam El-Attar lebt heute weiterhin in Aachen als Denker, Schriftsteller und Prediger. Er wird als eine Stimme des Friedens und der Vernunft geschätzt und hat in zahlreichen Abhandlungen über die Wichtigkeit des Dialogs der Religionsgemeinschaften und der Verantwortung der Menschen gegenüber der gesamten Menschheit und der Schöpfung geschrieben.

Vor dem Hintergrund der politischen Vergangenheit des ehemaligen IZA Direktors Issam El-Attar wird das IZA gelegentlich in die Nähe der Muslimbruderschaft gerückt. Das IZA hat keine organisatorischen Verbindungen zur Muslimbruderschaft oder zu anderen Bewegungen. El-Attar selbst gab bereits 1977 seine Mitgliedschaft und seine Ämter bei der Muslimbruderschaft wegen Meinungsverschiedenheiten auf.

Gemeinde Heute

Das IZA ist ein unabhängiger Verein, der sich in erster Linie mit den Bedürfnissen und der Situation von Muslimen in Deutschland und Europa auseinandersetzt, das Grundgesetz und die freiheitlich-demokratischen Prinzipien der Bundesrepublik Deutschland bejaht und seine Gesetze achtet.

Heute besteht die Gemeinde des Islamischen Zentrums aus über 3000 Personen mit einer Vielfalt von ethnischen und migrationsgeschichtlichen Hintergründen. Dazu gehören unter anderem: Die heimisch gewordenen „Gastarbeiter“ und Akademiker mit ihren Kindern und Enkelkindern, Studenten aus dem In- und Ausland und deutschstämmige Muslime.

Das Islamische Zentrum Aachen hat in der Euregio Rhein-Maas eine besondere Bedeutung. In dieser grenzüberschreitenden Region besuchen zahlreiche Muslime auch aus Belgien und Niederlanden das IZA, um ihren religiösen Bedürfnissen nachzukommen.

Das IZA verfügt auch international über einen renommierten Ruf als eine Institution, die sich nachhaltig für die Integration von Muslimen in die deutsche und die europäischen Gesellschaften einsetzt. Vor diesem Hintergrund entscheiden sich viele Muslime weltweit für einen Besuch oder längeren Aufenthalt in Aachen, insbesondere als Studenten an der RWTH und FH-Aachen oder als Patienten an der Universitätsklinik Aachen.

Damit ist das IZA nicht nur das religiöse Zentrum für viele der in Aachen dauerhaft lebenden Muslime, sondern auch eine Anlaufstelle für Besucher und Geschäftsreisende aus der ganzen Welt.

Das Islamische Zentrum Aachen ist heute ein fester Bestandteil im religiösen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Leben der Stadt Aachen.